Gefühle der Nichtswuürdigkeit sind eng verknüpft mit Schuldgefühlen
(die sich oft hinter Kompensationshandlungen verstecken und damit
zur Aufopferung zurück führen).

Das Konzept der Wertlosigkeit ist ein ganz zentrales Gefühl unseres Sinnesmantels. Dieses Gefühl kommt zu einem grossen Teil von jenen Orten, an denen in unserer Kindheit ein für die Familie traumatisches
Ereignis stattfand, für das wir uns dann die Schuld gaben und in eine Opferhaltung hineingingen. Aber dadurch wird unser Gefühl der Wertlosigkeit nur noch verstärkt.

Bezeichnenderweise versuchen wir dieses Gefühl dadurch zu kompensieren, dass wir unsere tatkräftige Seite herauskehren und beginnen hart zu arbeiten, um dadurch zu “beweisen”, dass wir nützlich und nicht nur zu Dekorationszwecken auf der Welt sind. Doch all unser “Beweisen”, dass auch wir etwas wert sind, lässt nicht allzuviel Empfangen zu. Das Wenige, was es uns zu empfangen erlaubt, geht in dem Preis verloren, den wir für den Stress unserer so grossen Mühe bezahlen.

Zeichen der Kompensation

Oft verbringen Menschen ihr ganzes Leben damit, hart zu arbeiten und nützliche Projekte zu verwirklichen. Bis sie dann am Ende ihres Lebens stehen und das Gefühl haben, dass alles völlig wertlos war. Betrachte daher das Gefühl der Wertlosigkeit als entscheidende Ursache für dein
gegenwärtiges Problem oder deine momentane Lage. Halte ebenfalls Ausschau nach Zeichen der Kompensation, die diese Tatsache vor dir verbirgt, denn früher oder später mussen du ihm doch ins Auge blicken.

Wir setzen oft Schuldgefühle ein, um uns selbst zu kontrollieren und die Rolle überzubewerten, die wir in einer bestimmten Situation gespielt haben; und wenn wir anderen Menschen die Schuld zuweisen, so wollen wir sie dadurch kontrollieren um uns selbst besser zu fühlen.

Entweder werden wir anderen gegenüber aggressiv, oder wir ziehen uns zurück und richten durch Aufopferung, Minderwertigkeitsgefühle und ein negatives Selbstbild die Aggression gegen unsere eigene Person.

Wenn wir Schuldgefühle haben, fühlen wir uns schlecht und wertlos. Darum handeln wir entweder ebenfalls schlecht, oder wir kompensieren die Schuld durch den Versuch, besonders gut zu handeln um uns damit einen höheren Wert zu geben. Doch diese Art des “guten” Handelns trägt
keine Früchte, da ein solches Verhalten nur “beweisen” will, dass wir gute und wertvolle Menschen sind, während wir uns in Wirklichkeit schuldig und wertlos fühlen.

Vergebung

Ein Heilungsprinzip von zentraler Bedeutung ist Vergebung und bedeutet in uns verborgene Schuld aufzulösen; sich für unangebrachte Schuldzuweisungen gegenüber anderen zu entschuldigen; erneut Verbindung aufnehmen; wahres Verstehen; freies Geben. Vergeben heisst aber vor Allem, sich selbst zu vergeben. Wenn die Welt die du betrachtest nur ein Abbild deines eigenen Geistes ist, wenn alle Vorwürfe und Werturteile nur Projektionen diner eigenen Schuld und deiner Selbstangriffe sind, dann kannst du, indem du anderen vergibst, gleichermassen die anderen befreien und die unterbewusste Schuld in ihnen auflösen.

Schuld ist eigentlich eine Form von Arroganz, durch die wir uns selbst in den Mittelpunkt des Lebens stellen, statt einfach die Lektion zu lernen, den Fehler zu berichtigen und weiterzugehen. Vergebung rückt die Dinge wieder ins richtige Licht und bringt die Unschuld zurück. Sie gibt dem
Leben wieder Leichtigkeit, Fluss und Zuversicht. Bei Vergebung geht es sich nicht darum, einen Wettbewerb zu gewinnen und den anderen verlieren zu lassen. Noch hat sie mit Herablassung oder Überlegenheit zu tun.

Vergebung heisst nicht, sich des anderen gnädigst zu erbarmen – denn hierbei würde es sich um Überheblichkeit (verborgene Werturteile und übertriebene Kompensation von Schuld- und Unzulänglichkeitsgefühlen)
und Wettbewerb (Ablenkung vom Erfolg und Angst vor dem nächsten Schritt) handeln. Wir haben Angst vor Vergebung, da wir das Gefühl haben, dass wir dann in einer Opferhaltung oder einer verwundbaren Position gefangen wären. Wir haben den Eindruck, dass unser Groll oder Ärger gerechtfertigt ist und es dumm wäre, ihn einfach aufzugeben.

Klagen handeln jedoch niemals von dem, was andere getan haben, sondern
von den Dingen, die wir uns selbst nicht verziehen haben. Wir halten anderen unsere Vergangenheit vor. Durch Vergebung kannst du schliesslich das geben, was in der Vergangenheit nicht gegeben wurde. Dies heilt sowohl dich als auch deine Beziehung zum verurteilten Menschen.

Dynamik der Wertlosigkeit

Abgebrochene Verbindung beziehungsweise Trennung ist eine ganz wesentliche, an allen Poblemen beteiligte Dynamik. Schuld ist der Superklebstoff des Lebens, der uns in schmerzlichen Mustern und Situationen feststecken lässt, wohingegen Vergebung das Lösungsmittel ist, das uns nicht nur von unserer Schuld, sondern auch aus unserer Zurückgezogenheit, unserer Unwürdigkeit, unserer Opferhaltung sowie aus den Gefühlen der Erstarrung, der Erschöpfung, der Schwierigkeiten,
des Feststeckens, der Wertlosigkeit und übertriebener Kompensation befreit.

Du musst daher verstehen, dass es wichtig ist, dich selbst zu ermutigen, Verzeihung zu üben, denn was du einem bestimmten Menschen nicht verzeihen kannst, das wirst du auch keinem anderen, am wenigsten dir
selbst, vergeben. Dies bedeutet, dass du ohne Vergebung Distanz schaffst – selbst zu den Menschen, die du am meisten liebst. Es liegt in deiner Macht, deine Situation zu verändern.

Wählen Sie die Wahrheit

Vergebung ist eine Wahl, die neues, freies Geben und neues Empfangen entstehen lässt. Lass deine Klagen los, damit du von verborgenen Selbstangriffen und mangelnder Freiheit befreit werden kannst. Mach dir sich klar, dass du, wenn du dir oder anderen Vorwürfe machst, nur die Wahrheit verzerrst.

Wähle die Wahrheit. Dies kann Schicht für Schicht erfolgen, kann aber auch auf einmal stattfinden.

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Das war eins von drei Schlüsselkonzepten eines Opfers, lies weiter:

  1. AUFOPFERUNG
  2. WERTLOSIGKEIT
  3. ROLLENSPIEL

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