Aufopferung kann auch als kompensatorische Wiedergutmachung von
Schuld bezeichnet werden; es zeigt sich oft in Form vom Geben, ohne
zu empfangen; einem versteckten Wettbewerb oder sogar in Form einer
stark ausgeprägten Angst vor Nähe.

Das Konzept der Aufopferung beruht auf einer Überzeugung, dass wir wertlos sind Gutes zu erfahren, was wiederum direkt von Schuldgefühlen herrührt. Unser Opferverhalten ist daher nichts als eine Form der Selbstversklavung, da wir aufgehört haben, uns selbst zu lieben. Man fühl sich unwürdig zu nehmen. Und so gibt man, ohne zu empfangen, und entzieht sich damit jegliche Energie, die man für sich selbst benötigt hätten. Das wiederum führt zu Erschöpfung und Ausgebranntsein.

Aufopferung ist ein grundlegender Verteidigungsmechanismus gegenüber einem Verlust, den wir erlitten, aber niemals verarbeitet haben. Um diesen Gefühlen zu entgehen, helfen wir anderen und sorgen durch diese Abwehrmassnahme dafür, dass wir uns nicht mit unserem eigenen Schmerz beschäftigen müssen.

Märtyrer & unwahre Helfer

Aufopferung hat auch mit unserem Ärger zu tun, den wir anderen gegenüber hegen, weil sie uns im Stich gelassen haben, und mit unserer jetzigen Vorstellung davon, wie sie ihre Rolle zu erfüllen haben. Tatsächlich jedoch verbirgt sich hinter unserem Ärger die Überzeugung, ihnen gegenüber versagt zu haben. Aufopferung ist dann ein Versuch, diese vermeintliche Schuld wieder gut zu machen.

Es ist diese bereits in der Kindheit beginnende Dynamik, die zur Entstehung jener Familienmuster führt, die wir in unsere gegenwärtigen Beziehungen und unsere Lebensgestaltung einbringen. In der Tat wird Aufopferung zumeist durch Familienmuster hervorgerufen. Manche Menschen opfern sich auf in dem Versuch, die Familie zu retten (Märtyrer-Rolle). Doch dieses
Verhalten wird niemals Erfolg bringen, da wir eigentlich die Familie dazu zu benutzen, uns selbst zurückzuhalten.

Diese Art “unwahren Helfens” wird zu einer Form der Befähigung, die auf einer heimlichen Angst beruht, den Menschen, denen wir helfen, könne es durch unsere Hilfe tatsächlich besser gehen. Denn dies würde ja bedeuten, dass der “unwahre Helfer” ebenfalls aufgefordert wäre, voran zu schreiten.

Somit wird unsere Aufopferung zu einem Schutzwall, der uns vor Intimität
und dem nächsten Schritt bewahren soll.

Identitätsverlust

Wenn du dich in einer Opferhaltung befindest, dann bist du mit dem anderen “verschmolzen” und weisst nicht mehr, wo die Grenzen zwischen dir und den Menschen liegen, zu deren Sklaven du dich gemacht hast. In einer solchen Beziehung verwischter Persönlichkeitsgrenzen wirst du dich entweder über den anderen stellen – in dem Sinne, dass du das Gefühl haben, ihn mittragen zu müssen – oder du ordnest dich ihm unter, weil du das Gefühl hast, dein eigenes Leben aufgeben zu müssen, um Liebe und
Anerkennung zu erhalten.

In beiden Fällen hat derjenige, der sich aufopfert, Angst vor einer gleichberechtigten Beziehung und vor menschlicher Nähe. Ganz gleich,
ob du scheinbar über oder unter dem anderen stehst, immer hast du ein verborgenes Werturteil über den Menschen gefällt, für den du dich aufopferst. Wenn du glaubst, über ihm zu stehen, so fühlst du dich stärker als er; wenn du meinst, unter ihm zu stehen, so fühlst du dich ihm moralisch überlegen.

Somit nährt Aufopferung eigentlich Konkurenzkampf, der wiederum
zu Entzweigung, zu Trennung und Angst führt.

Zeichendeutung

Schau dir die Bereiche an, in denen dir kein Empfangen vergönnt ist, denn
sie sind ein sicheres Zeichen dafür, dass du dich auf die eine oder andere Art und Weise aufopferst. Die Tücke der Aufopferung liegt darin, dass sie alles schwierig und zu einer Last werden lässt, zum Teil deshalb, weil wir uns normalerweise aus Liebe für den anderen aufopfern, während wir uns selbst abwerten. Dadurch verlieren wir sowohl in unseren eigenen als auch in den Augen der anderen an Attraktivität.

2 Grundlegende Fragen

Aufopferung ist ein Mittel, um den Kontakt, der zum Erfolg führt, zu vermeiden. Solange du dich aufopferst, kannst du noch so hart arbeiten und noch so viele Dinge tun, doch der Erfolg wird ausbleiben, da du dich selbst nicht einbringst. Hiermit bist du aufgefordert, ehrlich zu dir selbst zu sein. Schon Polonius sagte in Shakespeares Hamlet: “Sei dir selber treu, und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen
irgendwen.” Sei daher ehrlich zu dir selbst und beantworte diese
beiden Fragen:

  1. Wer ist der Mensch für den ich mich aufopfere?
  2. Welche Last trägst du, die nicht zu du gehört, die du jedoch benutzt, um etwas zu umgehen, insbesondere Intimität?

Wenn du dich selbst befreist, wirst du andere befreien. Wenn du in Wahrheit lebst, kannst du auch anderen dazu bringen, ein wahrhaftes und authentisches Leben führen.

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Das war eins von drei Schlüsselkonzepten eines Opfers, lies weiter:

  1. AUFOPFERUNG
  2. WERTLOSIGKEIT
  3. ROLLENSPIEL

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